Abstracts


Mehrstufiges Tutorensystem im Blended Learning

Referent:Prof. Dr. Andre Bresges
Termin:Di. 29. Sept. 2009
Themengruppe:Mathematik & eLearning
Abstract "Learning by Teaching": Ein mehrstufiges Tutorensystem zur vernetzten
Ausbildung von Fach- und Vermittlungskompetenz in der
Physiklehrerausbildung.

Schon Seneca der Jüngere wusste: "Docendo Discumus", beim Lehren
lernen wir. (Epistula Morales I 7 8). Der dahinter sich verbergende
Mechanismus wird in der pädagogischen Theorien wie dem Sozialen oder
Interaktionistischen Konstruktivismus (K. Reich) intensiv genutzt und
durch kognitionspsychologische (Godden und Baddeley 1975) und
neurobiologische Befunde (Vgl. F. Bagorda et al., PdN Biologie 55
(2006) ) gut erklärt. In der Hochschulbildung machen wir seit langem
Gebrauch davon, wenn wir Studierende in Seminaren aktuelle
Themengebiete der Mathematik und der Naturwissenschaften sich selbst
erarbeiten und einem Publikum vorstellen lassen.

In den Grundlagenveranstaltungen mathematisch-naturwissenschaftlicher
Studiengänge ist diese Methode jedoch seltener vorzufinden,
schließlich handelt es sich hier um "Einsteiger" denen man die nötigen
fachlichen Grundlagen erst vermitteln muss. Dies wäre im
Seminarbetrieb zu zeitaufwändig, und die Qualität der Vermittlung
würde ebenfalls leiden.

Dumm nur: Im Schulbetrieb der 5-10 Jahrgangsstufe geht es zum größten
Teil um die Vermittlung eben dieser Grundlagen, und genau dort
entstehen bei den Schülern die grundlegenden Schwierigkeiten, Probleme
und persistenten Fehlvorstellung. Es wäre gut, könnten die
Lehramtsstudierenden in einem geschützten Bereich der Hochschule
Erfahrung in der Vermittlung gerade dieser Grundlagen sammeln, den
Ablauf und das Ergebnis analysieren, reflektieren und bewerten und
gemeinsam didaktisch fundierte Lösungen für die diversen
Lernschwierigkeiten entwickeln.

Genau dies liefert das Verfahren LByTe - Learning by Teaching, das an
der Universität zu Köln im Institut für Physik und ihre Didaktik
entwickelt wurde und aufgrund der hohen Ansprüche an die fortlaufende
Datensammlung und schnelle Kursevaluierung nur mit Hilfe eines
Lernmanagementsystems möglich ist. Im LByTe sind jeweils 2 Studierende
Tutoren in einem Kurs von 16 peers. Die Tutoren erhalten die im
integrierten Test&Assesment System gestellten Aufgaben mit einem
Vorlauf von 14 Tagen und müssen ihre Gruppe dazu befähigen, die
gleichen Aufgaben lösen zu können. Ein von uns entwickelter
Aufgabengenerator sorgt dafür, dass für jedes Kursmitglied eigene
Aufgaben erzeugt und der Lösungsweg daher vollständig verstanden
werden muss. Die Tutoren erhalten vom Lernmanagementsystem
automatisierte Rückmeldungen über den Leistungsstand ihrer Gruppe und
haben über einen Zeitraum von 14 Tagen (und 3 Versuchen pro Person)
die Aufgabe, mit verschiedenen Unterrichtsmethoden ihre Gruppen auf
einen möglichst hohen Leistungsstand zu bringen.

Studierende im fortgeschrittenen Semester, mit abgeschlossenem Studium
des Moduls "Fachdidaktik", übernehmen dabei in den Tutorengruppen
beobachtende, moderierende und unterstützende Funktionen. Sie üben
hier die für den Lehrerberuf bedeutsamen Kompetenzen in der
Beobachtung, Analyse und Weiterentwicklung von Unterrichtssequenzen.
Diese Studierende bilden die sogenannte "Mentorenebene" des
mehrstufigen Tutorenkonzeptes.

Die oberste Ebene wird von dem Kursleiter und den Doktoranden des
Projektes gebildet. Diese sind dank des Lernmanagementsystems in der
Lage, die Entwicklungen der Studierenden in den 12 Tutorengruppen zu
überblicken, mit den Unterrichtsprotokollen der Tutoren und den
Beobachtungen der Mentoren in Beziehung zu setzen und so eine konstant
hohe Lehrqualität bei erwiesen hoher Studierendenzufriedenheit in der
verpflichtenden Grundlagenveranstaltung zu erreichen.